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Wasserpflege, aber wie?

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Die Freibadsaison steht unmittelbar bevor und wir hoffen auf möglichst viele, sonnige Tage, um die Freizeit im und am Pool genießen zu können.

Um die hygienische Beschaffenheit des Wassers unter allen Umständen zu gewährleisten, eröffnen sich den Poolnutzern vielfältige Möglichkeiten der Aufbereitung. Der durchschnittliche Mensch trägt ca. 1010, dass sind ca. 10 Milliarden Keime auf der Haut!!! Die meisten dieser Keime sind für den menschlichen Organismus harmlos oder sogar nützlich. Es bleiben aber ausreichend pathogene Keime übrig, die die Entstehung und Entwicklung einer Krankheit hervorrufen können. Daher ist der erste Schritt zur Hygiene die gründliche Dusche vor dem Besuch des Schwimmbades. Bakterien, Viren und Pilze, die nicht in das Wasser eingetragen werden, stellen in der Konsequenz auch kein Gesundheitsrisiko dar.
Welchen etablierten Verfahren der Wasseraufbereitung sollte man nun den Vorzug geben? Die nachfolgende Übersicht gibt Ihnen die wichtigsten Informationen und trägt gegebenenfalls zu Ihrer Entscheidungsfindung bei.

Desinfektion

Chlor ist nach wie vor die gängigste Methode zur Keimtötung. Richtig dosiert ist es in der Lage, innerhalb von ca. 30 Sekunden nahezu sämtliche im Wasser befindlichen Mikroorganismen abzutöten oder inert, das heißt zu deaktivieren. Dabei ist die Darreichungsform zweitrangig. Chlor wird angeboten in flüssiger Form (Natriumhypochloritlösung), Festchlor als Granulat oder verpresst zu Tabletten (Calciumhypochlorit), oder in situ, also direkt an Ort und Stelle erzeugt mittels des Elektrolyse-Verfahrens.
Eine Alternative zur Chlorung stellt Brom dar. Anders als das gebundene Chlor (Chloramine) sind die entsprechenden Bromamine geruchslos, reizen die Schleimhäute nicht und verfügen über eine unverminderte Desinfektionskraft. Nachteilig ist hingegen die grundsätzliche geringere Oxidationswirkung und der höhere Preis.
Silber verfügt über keine Oxidationswirkung und tötet Mikroorganismen relativ langsam ab. Verschiedene handelsübliche Zubereitungen enthalten geringe Mengen von Silber oder Silberverbindungen zur unterstützenden Wirkung.
Sauerstoffabspaltende Verbindungen, wie zum Beispiel Wasserstoffperoxid oder Persulfat, werden als Oxidations- und Desinfektionsmittel eingesetzt. Oxidierend bzw. desinfizierend wirkt hierbei jedoch nicht der molekulare Sauerstoff (O2), wie ihn unsere Atemluft enthält, sondern ein Sauerstoffradikal. Da dieses Sauerstoffradikal zu molekularem Sauerstoff rekombiniert, also den Sauerstoff unserer Atemluft bildet, besteht die Desinfektions- und Oxidationswirkung nur kurz nach Verwendung des Mittels. Der Begriff „Sauerstoff-Methode“ ist also etwas irreführend, da auch hierbei, wie bei allen anderen Desinfektionsverfahren, dem Wasser eine Chemikalie zugesetzt wird und nicht etwa nur Sauerstoff. Die Depotwirkung ist nur eingeschränkt vorhanden.
Biguanide stellen von ihrem Wirkungsspektrum nur teilweise einen Ersatz für Chlor dar, da mit Biguaniden Algenbildungen nur schwer kontrollierbar sind. Ferner sind Biguanide keine Oxidationsmittel, so dass der Abbau von organischen Verunreinigungen, wie Urin und Schweiß, nicht erfolgt.

Resümee

„……….bei sachgemäßer Handhabung stellt die Chlorung nach wie vor ein für die Aufbereitung und Desinfektion ausgezeichnetes Verfahren dar, das sicher nicht ohne weiteres zu ersetzen ist und das vielleicht auch nicht um jeden Preis ersetzt werden muss…………“
Zitat Dr. D. Eichelsdörfer /et al: Archiv des Badewesens 29,9 – 13 (1976)
Dieses Zitat hat auch heute noch seine Berechtigung, da zum Beispiel in öffentlichen Schwimmbecken ausschließlich Chlor zur Anwendung kommt.

Algizid

Neben den gängigen Desinfektions-Verfahren sollten Sie ihr Augenmerk ebenfalls auf die Vermeidung von Algenbildung richten.
Insbesondere bei dem Betrieb von Freibädern, die unmittelbar dem Sonnenlicht und der UV-Strahlung ausgesetzt sind, kann es trotz Aufrechterhaltung des Desinfektionsmittels zu einer Veralgung des Wassers kommen, zum Beispiel bei schwüler Witterung und  Gewitterregen. Zur Vorbeugung gegen den Algenbefall eignen sich sogenannte Quats (Quaternäre Ammoniumverbindungen), die bereits in sehr geringen Konzentrationen wirksam werden. In der Regel zeichnen sich Quats durch ihre Oberflächenaktivität aus und begünstigen bei höherer Anwendungskonzentration die Schaumbildung des Beckenwassers. Neuzeitliche Quats sind schaumarm eingestellt oder schaumfrei.

pH-Wert

Sämtliche dargestellten Aufbereitungsverfahren funktionieren nicht oder nur sehr eingeschränkt, wenn der pH-Wert des Wassers nicht um den Neutralwert 7,0 eingestellt ist. Die Einhaltung im Bereich von pH 6,5 – 7,5 ist unerlässlich, um einerseits die verschiedenen Aufbereitungsmaßnahmen optimal durchführen zu können und andererseits das Wohlbefinden der Badenden nicht zu beeinträchtigen. Weiterhin gilt es, pH-bedingte Korrosionen und Kalkabscheidungen zu vermeiden.
Grundsätzlich gilt darüber hinaus, das ein Schwimmbad kein in sich geschlossener Kreislauf ist. In Abhängigkeit von der Besucherbelastung und den Umweltfaktoren empfiehlt sich die regelmäßige Filterrückspülung, um ungelöste Schmutzstoffe zu entfernen. Das hierdurch verbrauchte Wasser wird in der Regel durch Frischwasser ersetzt, dass einen Verdünnungseffekt bewirkt, damit sich die Wasserpflegemittel im Pool nicht anreichern können.
Verwechseln Sie bitte nicht klares Wasser mit hygienisch einwandfreiem Wasser. Die Mikrobiologie ist nur wenige Mikrometer groß und daher für das menschliche Auge nicht sichtbar.
Abschließend noch eine praktische Anmerkung – Verwenden Sie vorzugsweise Aufbereitungsmittel, die Sie auch analytisch nachweisen können. Hierzu eignen sich insbesondere Pooltester für die visuelle Ermittlung oder ein elektronischer Pooltester, der nach dem photometrischen Prinzip arbeitet und die Messwerte digital anzeigt.


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